Studieren in Stockholm

Universitäten, Hochschulen und nützliche Tipps für das Studium in Stockholm

Eingang zur Königlich Technischen Hochschule (KTH) Stockholm
Ob Erasmus-Austauschstudent oder Doktorand: Stockholm zieht viele Studenten aus aller Welt an! Kein Wunder, denn an den zahlreichen Hochschulen bieten sich vielfältige Möglichkeiten, im Studium oder Praktikum Auslandserfahrung zu sammeln.

Stockholm, das Silicon Valley Skandinaviens

Stockholm ist eine Stadt der Universitäten, Hochschulen und Bibliotheken – und natürlich der Studierenden selbst, von denen es über 90.000 gibt. Die schwedische Hauptstadt gibt sich selbstbewusst und hat auch allen Grund dazu, ist sie doch eines der Gründerzentren und steht in der Anzahl von Start-ups per capita je nach Ranking oft nur dem Silicon Valley selbst nach. Die Gründerszene speist sich nicht zuletzt aus den schwedischen und internationalen Studenten, die in Stockholm beste Bedingungen zum Lernen, Forschen und für Firmengründungen finden. Außerdem ist die Stadt über mehrere internationale Flughäfen sowie per Bahn, Fähre und auf der Straße bestens in das internationale Verkehrsnetz eingebunden.
Im Gegensatz zuUniversitäten, Bibliotheken, aber auch Studentenwohnheime und viele Orte im öffentlichen Raum verfügen über stabile W-Lan-Netze. In den Bibliotheken sind gut ausgestattete Computerarbeitsplätze üblich, was das Studieren sehr erleichtert. Ohne eigenes Laptop ist ein Studium allerdings kaum machbar. (Achtung! In Schweden werden oft Apple-Produkte verwendet, was noch immer gelegentlich zu Kompatibilitätsproblemen führen kann.)

Die Universitäten und Hochschulen

Die Universität Stockholm, gegründet 1878, ist mit etwa 44.000 Studenten die größte Universität der Hauptstadt, bei weitem jedoch nicht die älteste. Dieser Titel gebührt der Königlichen Kunsthochschule von 1735 und der Königlichen Musikhochschule von 1771, an der heute jeweils 300 bzw. 1.000 Studierende eingeschrieben sind. International bedeutender und bekannter sind die Königliche Technische Hochschule mit über 16.000 Studierenden, von denen mehr als ein Fünftel aus dem Ausland stammt, sowie Karolinska Institutet für die medizinischen Studiengänge mit immerhin 9.300 Studierenden und einem Ausländeranteil von neun Prozent.

Relativ neu ist Södertörns Universität am Südrand Stockholms, die 1997 als Hochschule gegründet wurde und bereits jetzt fast 11.500 Studierende und einen ausdrücklich auf fächerübergreifendes Lernen und interkulturelle Ausrichtungen angelegten Schwerpunkt hat. Zu den für Austauschstudenten besonders interessanten Einrichtungen zählen weiterhin die Stockholm School of Economics mit 1.900 Studierenden, darunter 30 Prozent aus dem Ausland, sowie die Neugründung der Stockholmer Kunstuniversität von 2014 mit immerhin bereits 700 Studierenden, von denen fast ein Viertel nicht aus Schweden stammt.
Alle Bildungseinrichtungen mit Hochschul- oder Universitätscharakter sind gut auf Studierende aus dem Ausland eingerichtet. Nicht nur sind ihre Internetseiten auch auf Englisch verfügbar, in der Studienberatung wird wie überall gutes Englisch gesprochen, so dass Informationen leicht zu erfragen und Missverständnisse aus sprachlichen Gründen sehr selten sind. Bei vielen Institutionen bestehen etablierte Kontakte zu deutschen Bildungseinrichtungen, die unbedingt genutzt werden sollten. Wer sich rechtzeitig an die Studien- oder Immatrikulationsbüros der Institutionen seiner Wahl wendet, wird dort grundsätzlich freundlich und kompetent beraten. Trotzdem bleibt viel selbst zu organisieren.
Neben den Bibliotheken, die zu den genannten Universitäten gehören und die alle ihren ganz eigenen Charakter haben und gute Räume zum Lernen und Arbeiten sind, gibt es in Stockholm weitere Bibliotheken, die für Studierende wichtig sein können. Hierzu zählen die Zentralbibliothek in dem markanten Asplund-Rundbau von 1927, die ebenfalls zur Stadtbibliothek zählenden Sture- und Kungsholmens Bibliothek sowie die Internationale Bibliothek.

Wohnen

Die Wohnungssituation ist wie in vielen europäischen Hauptstädten angespannt. Wer also über sein Austauschprogramm keinen Wohnheimplatz erhält, sollte sich so früh wie möglich um eine Unterkunft bemühen. Die Universitäten und Hochschulen unterhalten eigene Wohnheime, dazu haben die Wohnbaugesellschaften in Uni-Nähe oft Kontingente für Studentenwohnungen, so beispielsweise die Proventum AB in der Nähe der Technischen Hochschule oder die Huge Fastigheter AB im Gebiet von Södertörn. Besonders wichtig ist die Stiftung Stockholmer Studentenwohnungen, deren Homepage auch auf Englisch vorliegt und die ein größeres Kontingent (derzeit etwa 8.000) von Unterkünften im gesamten Stadtgebiet und in den Vororten verwaltet und immer wieder Zimmer und Wohnheimplätze im Angebot hat.
Um eine Berechtigung für eines dieser Angebote nachzuweisen, ist eine Mitgliedschaft in einem Studentkår Pflicht. Diese studentischen Vereinigungen sind am ehesten mit Gewerkschaften vergleichbar. Auch die SSCO, die bereits 1898 gegründete Zentralorganisationen der Stockholmer Studentkårer, vermittelt Unterkünfte. Ihre Mitgliedskarten berechtigen bei niedrigen Beiträgen nicht nur zum Anmieten einer Unterkunft, sie sind zugleich Krankenversicherung und ermöglichen, studentische Ermäßigungen (Essen, Kultur, Transport) wahrzunehmen. Auf den Internetseiten der Unis gibt es außerdem Angebots- und Nachfrageseiten für Untermietszimmer und Mitwohngelenheiten, beispielsweise in Wohngemeinschaften. Wer länger in Stockholm bleiben möchte, könnte auch versuchen, mit einem Studienkollegen ein so genanntes Kompisbo zu erhalten, also einen gemeinsamen Mietvertrag für eine Wohnung abzuschließen. Normalerweise ist der erste Wohnungsmarkt in Schweden nur für diejenigen sinnvoll, die bereit sind, eine Wohnung zu kaufen und entsprechend abzubezahlen. Mietwohnungen, wie in Deutschland üblich, sind in Schweden nahezu unbekannt.

Transport

Der gesamte öffentliche Nahverkehr im Großraum Stockholm wird von Storstockholms Lokaltrafik (SL) betrieben und funktioniert recht zuverlässig. Unterschieden werden Lokalbana und Pendeltåg (Regionalbahn und S-Bahn; Stationen sind mit „J“ für Järnvägen, Eisenbahn, gekennzeichnet), Tunnelbana (U-Bahn; „T“), Spårvagn (Straßenbahn; „S“), Bus („H“ für Hållplats, Haltestelle) und Fähre („brygga“, Brücke/Anlegestelle). Ein Ticket berechtigt zur Nutzung aller Verkehrsmittel. Wer das Glück hat, nahe seiner Bildungsstätte eine Unterkunft zu finden, benötigt eher ein Fahrrad als eine Monatskarte. Als Student mit einem schwedischen Studentenausweis kann man den deutlich günstigeren Studententarif wählen. Fahrausweise haben je nach Kaufmethode sehr unterschiedliche Preise. Am teuersten sind am Schalter erworbene Tickets, günstiger solche über eine wiederaufladbare Prepaid-Karte reskassa, am günstigsten sind Handytickets. Für Kurzbesuche gibt es Tickets für 24 und 72 Stunden sowie für eine Woche. Die meisten werden auf Monatskarten angewiesen sein, die man für 30 oder 90 Tage oder gleich für ein komplettes Jahr kaufen kann. Der Studententarif ist deutlich günstiger als der Normaltarif. In den Pendelzügen, die etwa einer S-Bahn entsprechen, die auch die Vororte bedient, sowie auf den Fähren, die zum öffentlichen Nahverkehr gehören, ist die Mitnahme von Fahrrädern gestattet und kostet nichts extra. In Bus, U-Bahn und Straßenbahn dürfen keine Räder mitgenommen werden.
Für die Fahrt mit dem Linienbus zum Flughafen Arlanda benötigt man ein gesondertes Ticket oder zahlt zu seinem vorhandenen Fahrschein einen Aufschlag. Schneller und teurer ist der Pendelzug Arlanda-Express. Die Strecke wird außerdem mehrmals täglich von Flixbus bedient. Selbstverständlich fahren auch Taxis zum Festpreis in die Stadt (der Arlanda-Express ist weitaus schneller und im Vergleich zu den Taxipreisen auch günstiger.)

Kultur und Freizeit

Stockholm bietet als europäische Großstadt für praktisch jedes Interesse das richtige. Cafés, Bars und Clubs, Kinos, Museen und Theater, dazu jede Menge Natur. Die langen Winter führen dazu, dass in Schweden jeder warme Tag ausgiebig genossen wird: beim Picknick, mit Sport oder auf Ausflügen. Von Stockholm aus erreicht man schnell den Schärengarten vor den Toren der Stadt, kann historische Orte wie Sigtuna oder Uppsala besuchen oder einen Kurzausflug auf die Åland-Inseln oder nach Helsinki unternehmen.
Insgesamt ist das Preisniveau gerade für Essen außer Haus deutlich teurer als für vergleichbare Qualitäten in Deutschland. Es ist deshalb weitaus üblicher, sich Essen und Getränke mitzubringen. An Universitäten, aber auch beispielsweise in einigen Bibliotheken, gibt es allen zugängliche Kleinküchen mit Mikrowellen und Kaffeeautomaten, die das tägliche Essen in der Unicafeteria überflüssig machen. Die Preise dort sind nämlich nicht staatlich gestützt und deshalb recht hoch. Günstiger feiern (wenn auch nicht essen) lässt sich in den „Nationen“, einer Art studentische Gilden oder Verbindungen, die wie im amerikanischen System Gemeinschaft, Traditionspflege und Networking verbinden, dazu Stipendien ausloben, Feste ausrichten und einige Wohnräume bieten. Eine Mitgliedschaft in einer Nation ist für Studierende in Schweden üblich und nicht ein Randphänomen wie bei den deutschen studentischen Verbindungen. Wer in Schweden nicht nur studieren, sondern echte Kontakte zu Einheimischen knüpfen und etwas über das Land erfahren will, kann dies leicht als Mitglied einer Nation seiner Wahl.

Universitäten und Hochschulen in Stockholm

Um ein Studium in Stockholm beginnen zu dürfen, wird von den meisten Hochschulen ein bestandener TISUS-Test (Test i svenska för universitets- och högskolestudier) verlangt. Austauschstudenten und Doktoranden müssen den Test in der Regel zwar nicht ablegen, aber die praktische Erfahrung zeigt: es lohnt sich immer, zumindest die Basics der Landessprache zu lernen -auch wenn man im Alltag mit Englisch sehr gut über die Runden kommt.

Wenn ihr an einem Studium in Stockholm interessiert seid, solltet ihr euch zunächst an den Erasmus-Koordinator eurer eigenen Hochschule / Universität, bzw. an den Studievägledare eurer Wunsch-Hochschule in Stockholm wenden. Bei den Vorbereitungen solltet ihr vor allem bedenken, dass der Wohnungsmarkt in Stockholm unglaublich problematisch ist!!

Aber Vorsicht: Stockholm birgt ein hohes Suchpotenzial. 😉 Viele, die einmal hier gewesen sind, möchten wieder zurück und kommen (immer) wieder.

Stipendien

Neben einem deutschen Auslandsstipendium bietet sich für ein Studium in Stockholm auch ein schwedisches Stipendium an. Beste Informationsquelle hierfür sind die Studienbeauftragten der jeweiligen Universitäten und Hochschulen. Nicht jedes Stipendium wird im Internet propagiert! Informationen zu Stipendien gibt es auch vom Schwedischen Institut (Svenska Institutet) online.

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