Die Stockholmer Schären sind das große Naturkapital der Stadt – ein Archipel, das sich von Arholma im Norden bis Landsort im Süden zieht. Nach gängiger Zählung sind es rund 24.000 Inseln, Holme und Schären; die oft zitierten 30.000 sind eine Obergrenze, je nachdem, ab welcher Größe man die kleinsten Felsen mitzählt. Ganzjährig bewohnt sind nur etwa 150 Inseln, im Sommer rund 1.000 – dazu kommen rund 50.000 Ferienhäuser. Für einen kurzen Überblick genügt ein halber Tag, für die größeren Inseln plant man besser einen ganzen ein.
Anreise per Boot
Ausgangspunkt der meisten Touren ist der Anleger Strömkajen nahe dem Schloss. Von dort fährt der öffentliche Betreiber Waxholmsbolaget ganzjährig in die Schären; daneben bedient der private Anbieter Strömma saisonale Linien, etwa nach Fjäderholmarna ab Strandvägen/Nybroplan. Im Sommer ist der Takt dicht – reguläre, engmaschige Fahrpläne laufen von etwa Mai oder Juni bis Anfang September. In der Nebensaison von Mitte September bis April fahren deutlich weniger Boote, hier lohnt sich ein Blick in den Fahrplan vor der Abfahrt umso mehr.
Wichtig für die Planung – nicht jede Insel liegt gleich nah, und der direkte Weg ab Stockholm ist oft nicht der schnellste. Beispiele für die reine Fahrzeit:
- Strömkajen–Vaxholm dauert mit Waxholmsbolaget rund eine Stunde.
- Sandhamn ab Strömkajen braucht je nach Zwischenstopps zwei bis drei Stunden – über Stavsnäs (Roslagens Sjötrafik) sind es dagegen nur etwa 30 Minuten.
- Utö ab Strömkajen dauert im Sommer rund dreidreiviertel Stunden, über Årsta Brygga ganzjährig nur etwa 35 bis 40 Minuten.
Wer also weiter hinaus will, kombiniert die Bootsfahrt sinnvoll mit Bus oder Auto zu einem näher gelegenen Anleger. Wie das öffentliche Netz die Häfen anbindet, steht im Ratgeber Fortbewegung in Stockholm.
Tickets und Preise 2026
Die Schärenboote von Waxholmsbolaget laufen über einen eigenen Tarif mit sechs Zonen (Taxa) – ein normales SL-Einzelticket reicht hier nicht. Die Einzelpreise 2026 nach Zone (regulär / ermäßigt):
- Taxa 1: 61 kr / 39 kr
- Taxa 2: 84 kr / 52 kr
- Taxa 3: 104 kr / 64 kr
- Taxa 4: 125 kr / 79 kr
- Taxa 5: 154 kr / 95 kr
- Taxa 6: 186 kr / 114 kr
Ermäßigt fahren Kinder von 7 bis 19 Jahren, Studierende sowie Senioren ab 65. Bezahlen kann man an Bord per Karte oder vorab in der SL-App (Swish oder Karte) – am bequemsten ist die App. Es gibt außerdem Periodenkarten für Vielfahrer; in der Nebensaison vom 14. September bis 29. April gelten darüber hinaus gewöhnliche SL-Periodenkarten (ab 30 Tage) auf den Waxholmsbolaget-Booten. Für die stadtnahen Strömma-Boote nach Fjäderholmarna gelten eigene Tarife, etwa rund 185 kr für ein Retourticket.
Fjäderholmarna – die stadtnächste Insel
Fjäderholmarna ist die naheliegende Wahl für einen halben Tag – nur etwa 25 bis 30 Minuten mit dem Boot von der Innenstadt. Strömma fährt von Mai bis September etwa alle 30 Minuten ab Strandvägen/Nybroplan, daneben bedienen auch Waxholmsbolaget und die Fjäderholmslinjen die Insel. Die Saison 2026 läuft von Anfang Mai bis zum 13. September.
Die Insel ist auf Kunsthandwerk ausgelegt – während der Saison öffnen Werkstätten und Läden für Holz, Textil, Glas, Metall und Schokolade, darunter eine Wollwerkstatt, eine Weberei und eine Töpferei, im Sommer auch mit Kursen. Dazu gibt es eine Ausstellung traditioneller schwedischer Boote. Bei der Gastronomie reicht das Angebot vom Fjäderholmarnas Krog über die Räucherei Rökeriet bis zur Inselbrauerei Fjäderholmarnas Bryggeri. Sinnvoll plant man hier ein paar Stunden bis zu einem ganzen Tag ein. Weil die Insel so stadtnah liegt, ist sie tendenziell stärker besucht.
Vaxholm und seine Festung
Vaxholm ist das klassische Einsteigerziel mit Stadtcharakter – eine pittoreske Altstadt mit Strandpromenade und Cafés, die bei Ankunft direkt zu Fuß erreichbar ist. Allein dafür lohnt sich der Halbtagesausflug, gerade mit Kindern oder bei wenig Zeit.
Das eigentliche Wahrzeichen, die Festung Vaxholm, liegt auf einer eigenen kleinen Insel gegenüber. Vom Stadtanleger pendelt im Sommer täglich alle 20 Minuten das Kastellet-Boot (M/S Djurgården 4, etwa 10:20 bis 17:20 Uhr) hinüber; die Überfahrt kostet für Erwachsene 110 kr hin und zurück (60 kr einfach), für Kinder von 3 bis 12 Jahren 80 / 45 kr. Alternativ erreicht man die Festungsinsel direkt mit dem SL-Ticket ab Strömkajen für rund 43 kr. Das Festungsmuseum kostet 2026 für Erwachsene 120 kr, Senioren 100 kr, Jugendliche von 13 bis 18 Jahren 60 kr; Kinder bis 12 in Begleitung sind frei. Geöffnet ist es im Kern vom 22. Juni bis 23. August täglich von 11 bis 17 Uhr, davor und danach an Wochenenden, geschlossen über Mittsommer (19. bis 21. Juni). Die geführten Touren im Sommer (12, 14 und 16 Uhr) sind im Eintritt enthalten.
Grinda, Sandhamn und Utö
Etwas weiter draußen warten die Inseln, die man wegen einer bestimmten Landschaft oder eines Erlebnisses ansteuert:
- Grinda ist die beliebte, aber entspannte Naturinsel – ein Naturreservat mit drei öffentlichen, kinderfreundlichen Badeplätzen an der südlichen und nördlichen Dampferbrücke sowie bei Källviken, überall mit Trockentoiletten. Ein markierter Natur- und Kulturpfad von rund 2,5 km umrundet ab dem Hof Hemviken den südöstlichen Inselteil, mit dem Aussichtspunkt Klubbudden (35 m). Grinda wird ganzjährig von Waxholmsbolaget und der Cinderella-Linie bedient; die Fahrt dauert je nach Route rund zwei Stunden.
- Sandhamn ist als Segler- und Sommerziel und durch die Krimiserie „Morden i Sandhamn” international bekannt. Sehenswert sind der gemütliche Ortskern mit Missionshuset und der Bäckerei Sandhamnsbageriet, der Segelhafen und der Sandstrand Trouville. Wegen der langen Anreise lohnt sich Sandhamn als Ganztagesziel.
- Utö ist groß und vielfältig genug für einen ganzen Tag – historische Eisenerzgruben mit wassergefüllten Schächten über 200 m Tiefe und einem Gruvmuseum, mehrere Badestrände wie der weiße Sandstrand Ålö Storsand, dazu Radwege (von der Gruvbyn nach Ålö rund 13 km). An der Gruvbrygga verleiht eine Station über 300 Räder, auch E-Bikes und Kinderräder, im Sommer täglich und ohne Vorabbuchung nach Verfügbarkeit vor Ort.
Wer es ruhiger mag, fährt noch weiter hinaus – Inseln wie Nämdö oder Möja sind deutlich stiller als die Klassiker.
Praktisches für den Tag
Auf den populären Inseln muss man nicht viel mitschleppen – Grinda, Utö, Sandhamn, Vaxholm und Fjäderholmarna haben Toiletten, Restaurants, Cafés oder ein Wärdshus und teils Lebensmittelläden, auf Grinda etwa ein Wärdshus und einen Krämladen, auf Utö Wärdshus und Bäckerei. Auf kleineren oder weiter draußen gelegenen Schären ist das Angebot dagegen knapp – dort gehören Badesachen, Proviant und Wasser in den Rucksack, festes Schuhwerk hilft auf den glatten Felsen.
Die Badesaison läuft in der Hauptsaison von Juni bis August, das Wasser liegt dann meist bei rund 17 bis 22 Grad, am wärmsten in der Regel im Juli. Tickets kauft man am bequemsten in der SL-App, und in der Nebensaison von Mitte September bis April sollte man den ausgedünnten Fahrplan einplanen.
Eine eigene Welt sind die echten Inseln im Süßwasser des Mälaren westlich der Stadt – darunter Björkö mit der Wikingerstadt Birka (UNESCO-Welterbe, rund 30 km westlich), dazu Adelsö, Ekerö, Färingsö, Helgö und Arnö. Birka erreicht man per Strömma-Boot ab Klara Mälarstrand nahe dem Stadshus; die Tagestour ab Stockholm dauert hin und zurück inklusive Aufenthalt rund acht Stunden, Führung der Ausgrabungsstätte und Museumseintritt sind im Paket enthalten. Von November bis April gibt es keine reguläre Linie, das Museum bleibt dann geschlossen. Weitere Ideen jenseits der Schären sammelt der Ratgeber Tagesausflüge ab Stockholm.