Stockholm liegt so günstig zwischen Mälarsee und Ostsee, dass die Stadt selbst kaum verlassen werden muss, um in Geschichte und Wasserlandschaft einzutauchen – Königsschlösser, eine Domstadt aus dem Mittelalter, die älteste Stadt des Landes und Tausende Schäreninseln liegen alle im Tagesradius. Dieser Ratgeber ordnet die lohnendsten Ziele ein, sagt, wie man hinkommt und was es 2026 ungefähr kostet, und trennt die schnellen Halbtagestrips von den Ausflügen, für die man besser einen ganzen Tag einplant.
Drottningholm – das Schloss am Mälarsee
Der Klassiker ist das UNESCO-Welterbe-Schloss Drottningholm, die bewohnte Sommerresidenz der schwedischen Königsfamilie westlich der Stadt. Am stimmungsvollsten ist die Anreise im Sommer per Ausflugsboot über den Mälarsee – Strömma fährt ab Klara Mälarstrand direkt beim Stadshus, in der Saison 2026 etwa vom 27. Mai bis 23. August mit mehreren Abfahrten am Tag (vormittags und nachmittags im Zwei-Stunden-Takt, sonntags reduziert). Eine Richtung dauert rund 50 bis 60 Minuten.
- Bootstickets – die Preise liegen je nach Angebot bei etwa 170 Kronen einfach und rund 220 Kronen hin und zurück, einzelne Anbieter nennen für Kombi-Tickets bis zu 350 Kronen. Vorbuchen geht nicht online; gekauft wird am Reisetag direkt am Strömma-Kiosk am Anleger.
- Ganzjährige Alternative – wer außerhalb der Bootssaison kommt oder schneller will, nimmt die Tunnelbana bis Brommaplan und von dort den Bus Richtung Schloss. Das ist günstiger und läuft über die normale SL-Karte, hat aber nicht den Reiz der Anfahrt vom Wasser.
Plane für Schloss, den barocken Schlosspark und das berühmte Schlosstheater einen halben bis ganzen Tag ein – mit Bootsanreise hin und zurück wird daraus schnell ein ganzer Tag.
Der Dampfer nach Mariefred und Gripsholm
Weiter westlich am Mälarsee liegt das beschauliche Städtchen Mariefred mit dem Renaissanceschloss Gripsholm. Den schönsten Weg dorthin nimmt man mit der S/S Mariefred, einem Schaufelraddampfer von 1903 – dem ältesten noch im Linienverkehr fahrenden Dampfschiff Schwedens, betrieben von der Gripsholms-Mariefreds Ångfartygs AB.
- Fahrplan 2026 – Saisonstart ist der 6. Juni; zu Saisonbeginn fährt der Dampfer nur samstags, ab etwa 1. Juli bis 2. August dann mittwochs, donnerstags, samstags und sonntags. Abfahrt in Stockholm ab Klara Mälarstrand um 10:00 Uhr, Rückfahrt aus Mariefred um 16:30 Uhr. Eine Richtung dauert rund dreieinhalb Stunden.
- Preise 2026 – hin und zurück 490 Kronen, einfache Fahrt 370 Kronen, Kinder von 6 bis 16 Jahren zum halben Preis.
Wegen der langen Fahrzeit ist das ein eigenständiger Ganztagesausflug und nichts, was sich nebenher mit anderen Zielen verbinden lässt. Wer die Ruhe und das nostalgische Tuckern über den See mag, bekommt dafür einen der entspanntesten Tage im Stockholmer Umland.
Uppsala – Domstadt und Wikingerhügel
Uppsala ist die altehrwürdige Universitätsstadt nördlich von Stockholm und das wohl vielseitigste Tagesziel. Direktzüge (Mälartåg/SJ) brauchen rund 35 bis 40 Minuten und fahren etwa alle 30 Minuten; das langsamere SL-Pendeltåg ist mit rund 55 Minuten länger unterwegs, aber günstiger. Tickets gibt es ab wenigen Euro.
Im Zentrum dominiert der Dom von Uppsala (Uppsala domkyrka) aus dem späten 13. Jahrhundert – mit 118,7 Metern die höchste Kirche der nordischen Länder. Der Eintritt ist grundsätzlich kostenlos, nur für Schatzkammer und Sonderausstellungen können Gebühren anfallen; im Sommer ist der Dom typisch täglich etwa von 8:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, und sonntags werden ganzjährig kostenlose Führungen angeboten. Bestattet sind hier unter anderem König Gustav Vasa, der Naturforscher Carl von Linné und der Theologe Nathan Söderblom.
Nördlich der Stadt liegt Gamla Uppsala mit den drei großen Königshügeln (Kungshögar), die in der Vendelzeit (etwa 550 bis 800 n. Chr.) als Gräber der Herrscherelite aufgeschüttet wurden. Die Hügel sind ganzjährig frei zugänglich, Wege führen bis zu den Gipfeln. Das angrenzende Gamla Uppsala Museum (Upplandsmuseet) ordnet die Funde ein – von Mai bis September täglich 11 bis 17 Uhr, von Oktober bis April Mittwoch bis Sonntag 12 bis 16 Uhr; der Eintritt kostet 150 Kronen, ermäßigt 120 Kronen, für Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre frei.
Sigtuna – die älteste Stadt Schwedens
Am Mälarsee, auf halbem Weg Richtung Uppsala, liegt Sigtuna – um 980 n. Chr. gegründet und damit die älteste noch bestehende Stadt Schwedens (die noch ältere Handelssiedlung Birka war zu dieser Zeit bereits aufgegeben). Hierher kommt man mit dem SL-Pendeltåg Richtung Märsta (rund 25 bis 30 Minuten) und von dort mit dem Bus 570 oder 575; insgesamt dauert es knapp unter einer Stunde.
- Stora gatan – die älteste noch im Originalverlauf bestehende Hauptstraße Schwedens, heute eine Fußgängergasse mit pastellfarbenen Holzhäusern, Cafés und Boutiquen.
- Stora Torget – der zentrale Platz mit dem kleinsten Rathaus Schwedens von 1744.
- Kirchenruinen – die mittelalterlichen Reste von St. Per und St. Olof erinnern an die kirchliche Bedeutung des Ortes.
- Runensteine – rund 30 stehen im Stadtgebiet, etwa 170 in der ganzen Gemeinde, ein dichtes Erbe aus der Wikingerzeit.
Sigtuna ist kompakt und gut an einem halben Tag zu erleben. Wer ehrgeizig plant, kann es mit Uppsala zu einem langen Tag kombinieren, da beide an derselben Bahnachse liegen – entspannter ist es allerdings, jedem Ort seinen eigenen Halbtag zu gönnen.
Die Schären – Inselgefühl für den halben oder ganzen Tag
Der naheliegendste Ausflug überhaupt sind die Stockholmer Schären. Schon ein Nachmittag reicht für einen ersten Eindruck – Fjäderholmarna ist mit 20 bis 30 Minuten Bootsfahrt die stadtnächste Insel, im Sommer im dichten Takt ab Strömkajen, Slussen oder Nybroplan angefahren und damit ideal für einen halben Tag mit Kunsthandwerk und einem Restaurant am Wasser.
Für die klassischen, weiter draußen gelegenen Inseln plant man besser einen ganzen Tag ein. Die Cinderella-Boote von Strömma fahren ab Nybrokajen von Ende April bis Ende September:
- Vaxholm – ab rund 190 Kronen, etwa 55 Minuten Fahrt; das Festungsstädtchen beginnt direkt am Anleger.
- Grinda – ab rund 235 Kronen, etwa 1,5 Stunden; entspannte Naturinsel mit Badeplätzen.
- Sandhamn – ab rund 255 Kronen, etwa 2,5 Stunden; bekanntes Segler- und Sommerziel.
Günstiger fährt man mit den öffentlichen Waxholmsbolaget-Booten, etwa nach Grinda ab 125 Kronen einfach. Welche Insel zu welchem Zeitbudget passt und wie das Tarifsystem funktioniert, steht ausführlich im Ratgeber Die Stockholmer Schären.
Welcher Ausflug für welchen Tag?
Zum Schluss eine ehrliche Einordnung, damit der Tag passt:
- Halber Tag – Sigtuna mit Bahn und Bus, oder ein Nachmittag auf Fjäderholmarna.
- Ganzer, aber flexibler Tag – Uppsala mit Dom, Königshügeln und Museum; bei früher Anreise und straffer Planung lässt sich Sigtuna anhängen.
- Ganzer Tag rund ums Boot – Drottningholm mit Bootsanreise hin und zurück, eine weiter draußen gelegene Schäreninsel wie Sandhamn, oder der gemächliche Dampfer nach Mariefred mit Gripsholm.
Für die genaue Wahl von Verkehrsmitteln und Tickets im Großraum Stockholm hilft der Ratgeber Fortbewegung in Stockholm; wer den Ausflug an die An- oder Abreise hängt, findet Hinweise unter Anreise nach Stockholm.