Die finnische Kirche

Finska kyrkan

Von den Kirchen in der Stockholmer Innenstadt ist die finnische Kirche vermutlich die unbekannteste. Wer in der Stockholmer Altstadt Gamla Stan unterwegs ist sollte sich aber vom unscheinbaren Äußeren nicht täuschen lassen und zumindest einen kurzen Abstecher in die kleine Kirche direkt gegenüber dem Stockholmer Schloss wagen. Bei Touristen besonders beliebt ist der nur 14 cam große Järnpoijke im Hinterhof der Kirche – die kleinste Statue Schwedens.

Fredriks kyrka oder Suomalainen kirkko

Die finnische Gemeinde hat eine lange Tradition in der schwedischen Hauptstadt. Ihre Kirche ist Finska kyrkan (auf Finnisch: Suomalainen kirkko), offiziell Fredriks kyrka nach König Fredrik I, der 1725 den Kauf des barocken Gebäudes durch die finnische Gemeinde genehmigte.

Der Bau unmittelbar gegenüber dem Königsschloss hat ein unauffälliges Äußeres, er besitzt keinen Kirchturm, doch wird sein Kirchendach von einem Kreuz geschmückt. Der Hauptraum ist rechteckig und fasst bei einer Größe von etwa 10 mal 20 Metern etwa 400 Personen. Im westlichen Teil befindet sich eine Doppelempore, deren Brüstung seit 1734 mit dem finnischen Reichs- und den Wappen der finnischen Landschaften verziert ist. Der Altar wurde 1734 von Lorens Gottman geschaffen und zeigt die Auferstehung Christi. Die Kronleuchter gehören zu den Schätzen, die zu Beginn des Großen Nordischen Kriegs aus dem heute sowjetischen Ingermanland gerettet werden konnten.

Järnpojken – Schwedens kleinste Skulptur

Im südlich gelegenen Hof der Kirche befindet sich Schwedens kleinste öffentliche Skulptur, Järnpojken, der Eisenjunge.  Die 1959 von Liss Eriksson geschaffene Skulptur ist mittlerweile ein richtiger Touristenmagnet, nicht zuletzt wegen der Bräuche, die um die Figur herum entstanden sind. So setzen an kalten Tagen Besucher dem kleinen Jungen gern eine Mütze auf oder legen ihm einen Schal oder eine Jacke um. Mehr Infos zum Järnpojken findet ihr hier auf unserer Webseite.

Eine wechselvolle Geschichte

Lange Zeit hatte die finnische Kirche kein eigenes Gebäude. Die Gemeinde nutzte ab 1533 Räume des ehemaligen Dominikanerklosters Svartbrödrarklostret. Das Klostergebäude wurde jedoch 1547 im Auftrag Gustav Vasas als Steinbruch für die Stadtbefestigung genutzt. Die finnische Gemeinde musste auf die heutige Storkyrka ausweichen, in der sie eine Kanzel und einen Altar nutzen durfte. Die finnische Kirche hatte keine Lobby in Stockholm, ihre Mitglieder mussten sich dem zumeist wenig großzügigen Gastgeber unterordnen und alle Anschaffungen selbst finanzieren. Erhalten ist aus der damaligen Zeit ein Kronleucher von 1684. Es folgten mehrere Zwischenstationen, bei denen grundsätzlich die Finnen den Kürzeren zogen und weiterziehen mussten.

Ein eigenes Kirchengebäude

1725 erhielten die Finnen endlich die Gelegenheit, das von Georg Sippel errichtete Lilla Bollhuset, das Kleine Ballhaus, zu erwerben. Das Gebäude hatte zunächst Mitgliedern des Hofs für Ballspiele gedient, war im 17. Jahrhundert von reisenden Theatergesellschaften und dann als Hoftheater genutzt worden und wurde jetzt unter von Göran Adelcrantz zur Kirche umgebaut. Adelcrantz war Schüler und später Mitarbeiter von Nicodemus Tessin d.J. und an der Errichtung des Stockholmer Schlosses beteiligt.

Inzwischen war es einigen finnischen Persönlichkeiten gelungen, zu Amt und Würden zu gelangen und die Gemeinde finanziell zu unterstützen. Zudem konnten hierher Kunstschätze aus dem Handelszentrum Nyen gerettet werden. Nyen lag im Ingermanland, dem östlichsten Ausdehnungsgebiet des schwedischen Großreichs beidseits der Newa-Mündung und einer strategischen Pufferzone gegen russische Attacken. Während die Schweden dort wie Besatzer auftraten, war der geförderte Zuzug von Finnen erfolgreicher. Bald bildeten die Finnen dort die ingermanländische Sprach- und Bevölkerungsgruppe. Die Kirchenschätze wären von den russischen Truppen zerstört worden, als diese im Großen Nordischen Krieg Ingermanland zurückeroberten.

Die russische Okkupation Finnlands 1742/43 bedeutete einen finnischen Zuzug nach Stockholm. Trotzdem war die Lage der Gemeinde nie sicher, so wurde 1806 der Kirchenbau aus ästhetischen Gründen fast abgerissen. 1808 brach der Russisch-Schwedische Krieg aus, durch den Russland seine Vormachtstellung im Ostseeraum festigte. Finnland gehörte nun als Großfürstentum zu Russland, Schweden war deutlich geschwächt. Die Kriegsflüchtlinge ließen die Gemeindegröße auf 1.200 Personen anwachsen.

Die Rolle der Finnen war umstritten, führte jedoch 1840 zu dem königlichen Beschluss, Finnisch als eine schwedische Muttersprache anzuerkennen. Der Finnische Bürgerkrieg 1918 sowie der Zweite Weltkrieg änderten den Charakter der Finnischen Kirche grundlegend: Viele Flüchtlinge, darunter zahlreiche Kinder, mussten versorgt und untergebracht werden. Zwischen 1945 und 1950 vervierfachte sich die Zahl der Gemeindemitglieder auf mehr als 5.800, bis 1970 stieg die Zahl auf 20.000, wobei jedoch bei weitem nicht alle Kirchgänger wurden.

Heute ist Finska kyrkan fester Bestandteil Stockholms. 1975 feierte die Kirche unter Beisein des Königs ihr 250-jähriges Bestehen; 1983 wurde die 450. Wiederkehr des Tags des ersten finnischen Gottesdienstes in Stockholm begangen. Die Kirche und ihre Schwanorgel von 1790/92 wurden restauriert; es finden regelmäßige Konzerte statt, zu denen auch die beiden Chöre des Hauses beitragen. Daneben gibt es selbstverständlich die übliche Gemeindearbeit.

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