Die Deutsche Kirche St. Gertrud

Tyska Kyrkan

Die Deutsche Kirche in der Altstadt von Stockholm

Die Kirche St. Gertrud  ist mit ihrem 96 m hohem Turm das höchste Gebäude der Stockholmer Altstadt Gamla Stan. Sie wird meist als Deutsche Kirche bezeichnet (Tyska kyrkan), da sie seit 1571 die Kirche der deutschen Gemeinde in Stockholm ist, der ältesten deutschen Auslandsgemeinde.

Gildenhaus der deutschen Kaufleute in Stockholm.

Die ältesten Teile der Kirche sind der Keller und die nördliche Wand, die beide noch aus dem Mittelalter stammen. Damals, zur Blützezeit der Hanse, gab es in Stockholm eine große Zahl deutscher Kaufleute, die sich in einer Gilde organisiert hatten. Das Versammlungshaus dieser St. Getruds-Gilde war der Vorläufer der heutigen Deutschen Kirche. Nach der Reformation wurden unter König Gustav Vasa im Jahr 1544 allerdings alle Gilden aufgelöst und das Grundstück samt Gebäude fiel an die schwedische Krone.

Deutschsprachiger Gottesdienst in Stockholm

Unter König Gustav Vasa erlangte Schweden nicht nur seine Unabhängigkeit, sondern gründete auch seine eigene lutherisch-evangelische Staatskirche, die Schwedische Kirche (Svenska kyrkan). Durch den Wegfall der lateinischen Messe wurden die Gottesdienste fortan auf Schwedisch abgehalten – und auch die vielen Deutschen in Stockholm wünschten sich, den Gottesdienst in ihrer Sprache zu feiern.

Das Privileg hierzu wurde von König Gustav I. zum ersten mal im Jahre 1558 gewährt, die ersten Gottesdienste fanden allerdings zunächst noch in der Storkyrka statt. Erst 1571 wurde hierfür das alte Gildenhaus genutzt, das man sich zunächst noch mit der finnischen Gemeinde teilte. Im Jahre 1607 wurde das Gebäude dann der deutschen Gemeinde ganz offiziell von König Carl IX. geschenkt.

Erweiterung im 17. Jahrhundert – neuer Turm im 19. Jahrhundert

In den Jahren 1638-1642 wurde die Kirche deutlich vergrößert. Architekt der Umbaumaßnahmen war der aus Straßburg stammende  Baumeister Hans Jacob Kristler, unter dessen Leitung auch Schloss Ulriksdal im Norden Stockholms entstand. Das Gewölbe und die südliche Wand des alten Gildenhauses wurden abgerissen und mit einem zweischiffigen Innnraum und einem auf zwei großen Pfeilern stehenden Gewölbe neu aufgebaut. Zusätzlich wurde 1613 mit dem Bau des ersten Kirchturms begonnen, der 1647 fertiggestellt wurde und 1666 mit dem ersten Glockenspiel Schwedens ausgestattet wurde.

Leider wurde dieser erste Turm bei einem  Brand im Jahr 1878 zerstört. Der heutige Turm nach den Plänen des Berliner Architekten Julius Carl Raschdorff (1823-1914) konnte sechs Jahre später eingeweiht werden. Das berühmteste Werk von Raschdorff  ist der Berliner Dom.

Die Königsloge von Hedvig Eleonora

Links neben dem Altar erhebt sich majestätisch die verglaste Königsloge, die der aus Stralsund stammende Stockholmer Stadtarchitekt Nicodemus Tessin d.Ä. für Königin Hedvig Eleonora 1672 bauen ließ. Tessin war königlicher Architekt und als gebürtiger Deutscher ein Gemeindemitglied der Deutschen Kirche. Auch Königin Hedvig Eleonora, die Tochter Herzog Friedrichs III. von Schleswig-Holstein-Gottorf, stammte aus Deutschland und besuchte daher regelmäßig den Gottesdienst. Das Monogramm oben auf der Loge ist das ihres Sohnes Karl XI, der im gleichen Jahr mündig und zum König gekrönt wurde.

Die Düben Orgel

Besonders im 17. Jahrhundert war die Deutsche Kirche ein wichtiges Zentrum für Kirchenmusik, nicht zuletzt durch das Wirken der Organistenfamilie Düben. Begründet wurde diese Dynastie durch den aus Leipzig stammenden Organisten Andreas Düben, der ab 1625  Organist der Deutschen Kirche und ab 1640 königlicher Hofkapellmeister war.

Tipp: Deutscher Gottesdienst in Stockholm

Wer an einem Sonntag in Stockholm ist, sollte sich den Gottesdienst um 11 Uhr nicht entgehen lassen. Da die Gemeinde organisatorisch zur Schwedischen Kirche gehört, wird der Gottesdienst auch nach deren Liturgie durchgeführt (allerdings in deutscher Sprache). Besucher in Stockholm sind jederzeit gerne willkommen.

Wie komme ich zur Deutschen Kirche

  • Adresse: Svartmangatan 16, 111 29 Stockholm
  • U-Bahn: mit der roten oder grünen Linie bis zur Haltestelle Gamla Stan. Von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß.
  • Bus: Mit den Linien 2, 3, 53, 55, 57, 76 und 96 bis zur Haltestelle Mälartorget.

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